Vorsprung durch Technik

09.04.2017
Štefan Emrich - 09.04.2017

Mit Zukunftsprognosen ist das so eine Sache. Das man sich hier leicht irren kann, das hat auch die BBC eingesehen. Vor 10 Jahren brachte sie mit "Planet Earth" eine Naturdokuserie. Die teuerste jemals gedrehte und die erste von der BBC in HD gefilmte. Massiver Einsatz von Hubschraubern ermöglichte es einzigartige, majestätische Bilder einzufangen. Und damals hieß es von Seiten der BBC "wenn wir so einen Meilenstein produzieren, dann belassen wir es gerne dabei, dass damit das letzten Wort gesprochen ist". Doch das war vor 10 Jahren.

2017 ging "Planet Earth II" im deutschsprachigen Raum on air. In den letzten 10 Jahren hat sich die Film- & Aufnahmetechnik so massiv weiterentwickelt, wie das damals nicht vorhersehbar war. Es ist nicht eine einzelne technische Errungenschaft die Planet Earth II ermöglicht hat, sondern die Kombination vieler. Es sind vor allem die laufenden Verbesserungen von Kameras - kleiner, leichter, lichtempfindlicher, schneller. Die dank des geringen Gewichtes mit Drohnen eingesetzt werden können. Oder dank Stabilisatoren auf Verfolgungsjagden durch Straßenschluchten mitfilmen können. Die so klein sind, dass sie in einem Ameisenbau Platz haben.

Herausgekommen ist dabei eine Dokureihe, die es dem Publikum erlaubt so nahe wie nie zuvor am Geschehen zu sein. Bilder die so surreal sind, dass man in Versuchung kommt sie als Computeranimationen abzutun - wenn etwa Infrarotkamameras jedes einzelne Haar eines Leoparden auf seinem nächtlichen Streifzug auflöst. Die Serie ist eine, die für Filmtechnik das ist, was "Matrix" für die Computeranimation war.

Aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Denn die grandiosen Bilder zeigen (nur) das, was die Zuseher sehen wollen. Es sind perfekte Bilder von perfekten Tieren in perfekter Umgebung. Dass die Realität anders aussieht wird ausgeblendet. Artensterben und Umweltzerstörung sind kein Thema. Und während die Artenvielfalt rapide abnimmt, "gehen die Produzenten dieser Show in die letzten verbleibenden Reservate und Naturschutzgebiete um ihre Filme zu drehen - und zeigen eine wunderschöne, verführerische Fantasiewelt", so Martin Hughes-Games, Zoologe und Tierfilmer bei der BBC.